Schnubbmund XXV

Der Schnubb ist seit nunmehr über einem halben Jahr tagsüber nahezu zuverlässig windelfrei. Nur zum Schlafen – mittags und nachts – braucht er noch eine. Nun hatte er ein paar “Unfälle” und setzte sein großes Geschäft kurz nach dem Schlafengehen in die Windel hinein. So auch gestern Abend wieder. Ich war halbwegs angefressen, denn angesichts der Größe des Kindes und seiner Ernährungsgewohnheiten… na ja. Jedenfalls machte ich ihn sauber und wies ihn nochmals darauf hin, dass er doch bitte danke einfach aufstehen und aufs Klo gehen oder gegebenenfalls eben rufen solle, wenn er noch mal müsse. Immerhin solle er ja auch mal nachts ohne Windel sein…

Da wurden seine Augen ganz groß und er schaute mich erstaunt an:

“Und wo muss ich dann hinpullern? IN DIE HOSE?????”

Wir haben das Prinzip wohl noch nicht so ganz rübergebracht gehabt ;)

 

Erste Worte

Wisst ihr, was mit das erste war, was der Baba heute vor 14 Tagen seinem Drittgeborenen sagte?!

“Heute in einem Jahr beginnt meine Elternzeit mit dir.”

So ein guter Mann :)

Hier so

Das geordnete Chaos, würde ich sagen.

Tönni schläft durch. Das Baby auch, aber meist tagsüber. Nachts so zwischen 1 und 5 mag der neue Mitbewohner gern essen und pupsen. Ich würde da lieber schlafen, aber gut, was soll frau tun!? Nach 10 Tagen sollte man, das weiß ich ja, noch keinen Rhythmus erwarten. Ich warte mal noch ein paar Wochen ab, ehe ich zu klagen anfange.

Auch Schnubb hat derzeit nachts irgendein Problem. Er steht zu den seltsamsten Zeiten auf und hat Wünsche. Oder auch nicht, und dann schreit er einfach nur. Oder lässt sich vom Baba unkommentiert wieder ins Bett bringen. Wer weiß, was da alles in seinem Kopf herumgeht. Immerhin ist er ja Kindergartenkind (und ich muss noch darüber berichten, ich weiß) und er hat immer viel zu erzählen. Und vom Niedlichkeitsfaktor her bekommt er ja auch gerade ein wenig den Rang abgelaufen – zum einen vom Baby natürlich und zum anderen von Tönni, der eben noch keine Trotzphase und keine schlechte Laune kennt.

Aber wird schon wieder werden.

Gestern waren wir mit dem Baby zur U2. Sein Geburtsgewicht hat er fast erreicht und er wurde auf 56 Zentimeter gemessen. Wir wohl wieder ein großer Kerl werden. Ansonsten wurde bescheinigt: fit und munter. Aber das wussten wir ja auch so :)

Stilldemenz I

Hier ein Beitrag, der fließend anknüpft an die Geschichte, die Annette Frier bei “Wetten, dass…” erzählte, in der sie (gerade Zwillinge bekommen) mit Ihrer Freundin (auch frisch gebackene Mutter) an der Fleischtheke stand und Hackfleisch kaufte. Und als sie danach noch erzählten, schob die Freundin den Wagen beruhigend hin und her. Frau Frier gab ihrer Freundin zu bedenken, dass es nur Hackfleisch und kein Baby sei, was sie da hin- und herschob.

Unserer Mama passiert langsam ähnliches und ich versuche nun dies zu sammeln und neben Schnubbmund nun auch Stilldemenz zu pflegen:

Gerade bei Herrn Jauchs “Wer wird Millionär?”: wir sehen die Auswahlfrage und raten um die Wette mit. (Man muss hinzufügen, es war schon die zweite Frage, weil kein Kandidat die erste Frage beantwortet hat) Die Frage war,  wie die Sowjetunion noch genannt wurde:

A: SR
B: U
C: D
D: S

Mamas Antwort: B, C, D, S :)

Bericht einer kurzen Geburt (lang ;) )

An dieser Stelle folgt nun der Geburtsbericht vom dritten Frühlingsbabyjungen in unserem Haus. Da ich den mehr für mich (oder uns) als für euch (aber natürlich auch für euch :) ) schreibe, sei angemerkt, dass es bei einer Geburt zum Ausscheiden von körpereigenen Flüssigkeiten kommt, die nicht gänzlich unerwähnt bleiben. Bilder davon gibt es nicht zu sehen ;) Wer mit meinen blumigen Worten nicht zurechtkommt, der möge bitte das X rechts oben in der Ecke drücken.

Den genauen Entbindungstermin des Babys haben wir diesmal bewusst nicht bekannt gegeben. Für alle, die es interessiert: errechnet war der 5.4., gemessen der 2.4. Wir gingen vom 2.4. aus, weil auch der 5. nur so halbwegs errechnet war… Was sich halt ein paar Monate nach der Geburt Tönnis errechnen ließ ;) Im Grund aber fand die Hebamme die besten Worte: Es gibt keinen Entbindungstermin. Kein Baby kennt ihn. Das ist eine für den Arbeitgeber und die Sozialversicherungen notwendige Festlegung, hat aber nichts mit der Natur zu tun. Es gibt einen Geburtsmonat. Alles, was drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem errechneten Termin passiert ist normal. Deshalb wussten wir: Das Baby kommt Ende März/Anfang, Mitte April. Und das reichte uns auch.

Meine Vorsorge machte ich wie schon bei Tönni bei meiner Hebamme Moni. In der 28. SSW war ich zum letzten Mal beim Frauenarzt und hatte einen Ultraschall. Ich wusste also nie was von Wehen auf dem CTG oder Stand des Muttermundes oder sonstigen Dingen, die einem am Ende auch nicht verraten, ob es heute oder morgen losgeht.

Der beste Spielplatz aller Zeiten: der Baba, der mir die Wartezeit so viel leichter machte

Der beste Spielplatz aller Zeiten: der Baba, der mir die Wartezeit so viel leichter machte

Ab der 32. SSW übernahm unsere Hausgeburtshebamme* (= HG-Hebamme) die Vorsorgeuntersuchungen. Es war alles völlig normal. Am 26.3., Tönnis erstem Geburtstag, war wieder Vorsorge. Es gab keinen Grund zu der Annahme, dass der Vorsorgetermin eine Woche später nicht auch noch wahrgenommen werden sollte. Aber am Abend, als Ruhe einkehrte, bekam ich heftige Wehen. Sie waren sehr unregelmäßig, mal eine nach 20 Minuten, dann mal wieder eine nach 4, dann wieder 15 Minuten Pause. Bevor ich ins Bett ging, rief ich die HG-Hebamme an und berichtete vom Stand. Wir verständigten uns darauf abzuwarten, und ich sollte am Morgen melden, wie es ginge. Von 22 bis 3.30 Uhr wälzte ich mich mit fiesen Wehen im Bett herum. Und dann war Ruhe. Einfach nur Ruhe. Sowohl was die Wehen anging als auch die Bewegungen des Kindes, die vorher sehr heftig waren, was ja unter der Geburt eigentlich ungewöhnlich ist. So meldete ich der HG-Hebamme, dass es falscher Alarm war – und war frustriert.

Warten auf... Zum Glück war das Wetter in der Wartezeit schön.

Warten auf… Zum Glück war das Wetter in der Wartezeit schön.

Fortan passierte nichts mehr. Über viele Tage herrschte eisiges Schweigen in meinem Bauch. Wir hatten viel zu tun und mein Ziel war es, möglichst alle bürokratischen Dinge (ich werde später davon berichten) fertig zu haben, bevor das Baby kommt. Am Montag, den 31.3., war der wichtige Termin auf dem Amt. Der Baba wollte mit Tönni hinfahren, während Schnubb in der Kita war. Ich erwachte – natürlich – mit einem Gefühl, dass mir sagte, ich hätte Wehen. Aber ich hatte keine. Also keine spürbaren. Da war so ein Ziehen im Rücken, ein dauerhaft harter Bauch, eine furchtbare Unruhe in mir und das eisige Schweigen des Babys. Der Baba verdonnerte mich dazu, den Vormittag liegend auf dem Sofa zu verbringen, um den Plan nicht zu ruinieren. Ich lauschte dauerhaft in mich hinein. Es war absolut seltsam. Kurz nach zwölf rief ich den Baba an und fragte, wo er bleibe, denn er musste ja noch Schnubb aus der Kita holen, aber er schaffte es nicht und so sprintete ich los. Dieser ausgesprochen zügige Fußmarsch wird sicherlich auch seinen Einfluss auf den weiteren Verlauf gehabt haben. Jedenfalls wollte ich dann Mittagsschlaf machen, da ich das Gefühl hatte, irgendwie Kraft zu brauchen. Schnubb verweigerte es aber, das Zimmer mit Tönni zu teilen, der zugegebenermaßen manchmal sehr schnarcht, und so landete er mit mir im großen Bett und hielt meine Hand. Wir schliefen selig ein.

Kurz nach halb drei erwachte ich vom Schmerz einer Wehe. Ich wälzte mich herum und schaute auf die Uhr. War das eine richtige Wehe?, fragte ich mich. Und schon kam die nächste. Entsetzt fokusierte ich die Uhr. Vier Minuten später die nächste. Leise stand ich auf und ging runter zum Baba, der gerade beim Aktensortieren war. Ich forderte ihn unmissverständlich auf, das jetzt bitte alles umgehend wegzuräumen, denn wir bekämen jetzt ein Kind. Dann rief ich meine HG-Hebamme an und berichtete. Als ich während des Telefonats zwei weitere Wehen hatte, beantwortete ich ihre Frage, ob sie denn jetzt gleich kommen sollte, mit einem klaren JA! Dann räumte ich noch ein wenig auf, stellte Teller in die Spülmaschine und veratmete nebenher die immer stärker werdenden Wehen.

In der Zwischenzeit weckte der Baba die Jungs und machte sie fertig, um sie bei den Nachbarn abzugeben. Als ich eine so heftige Wehe hatte, dass ich vor dem Sofa auf die Knie ging, merkte ich, wie mir die Fruchtblase platzte. Es war diesmal ein anderes platzen, es war mehr ein aufgehen, denn es machte nicht “Plopp” wie bei den beiden anderen Malen, sondern ich lief einfach aus. Das war der einzige Moment, in dem ich ein wenig die Fassung verlor, denn ich wusste, dass es ab jetzt schnell gehen könnte. Zuerst fluchte ich fürchterlich und dann rief ich dem Baba zu, er solle nun bitte endlich die Kinder aus dem verdammten Haus schaffen!!! Der Schnubb jedenfalls war ziemlich irritiert, warum die Mama denn jetzt weine?! Ich versicherte ihm, dass alles gut sei und ich nur den Baba gerufen hätte und wünschte ihm viel Spaß bei seiner Freundin. Und dann war ich allein. Fluchend ging ich aufs Klo und hatte das Bild vor Augen, jetzt hier mutterseelenallein in diesem engen Raum ein Kind bekommen zu müssen. Aber der Baba gab meiner Hebamme Moni quasi die Klinke in die Hand und sie begleitete mich zurück ins Wohnzimmer. Dort veratmete ich weiter tapfer im Stehen die Wehen, die insgesamt aushaltbar und schön regelmäßig waren. Ganz kurze Zeit später war der Baba auch schon da und bereitete weitere Dinge für die Geburt vor. Wasser hatte er, soweit ich mich erinnern kann, schon vorher gekocht. Aber vielleicht auch nicht. Ab dem Moment war ich irgendwie im Tunnel. Die HG-Hebamme schlich sich gefühlt eine halbe Minute später ins Wohnzimmer, begrüßte mich und gab Anweisungen, was jetzt zu tun sei und tat selbst einiges. So bekam ich zum Beispiel mit, dass sie vor dem Sofa alles abdeckte und dass sie Moni aufforderte Handtücher in den Ofen zu tun. In der unmittelbaren Erinnerung habe ich zwei Kanäle – zum einen war ich völlig bei mir und hatte unfassbar klare Gedanken (wie z.B.: Na wenn jetzt schon die Handtücher in den Ofen kommen, dann wird es wohl nicht lange dauern. oder Eigentlich hasse ich dieses unförmige rote Sofakissen, aber um es mal reichlich vollzuschwitzen ist es echt hervorragend geeignet.), zum anderen gibt es einige Dinge, die mir hinterher erzählt wurden, die ich einfach nicht mitbekommen habe. Ich verlor auch komplett das Zeitgefühl. Obwohl alles sehr, sehr schnell ging, kam es mir länger vor – aber keineswegs im negativen Sinne. Es herrschte eine unfassbar ruhige, entspannte Atmosphäre in unserem Wohnzimmer, dass ich mir in keinem Moment irgendwelche Sorgen machte. Der Baba hörte auch gut auf meine Anweisungen – irgendwann ließ ich auch die Höflichkeit und damit das “Bitte” weg -, und die Handgriffe und Schritte der HG-Hebamme waren einfach professionell und immer passend. So erblickte unser drittes Märzenkind in für uns neuer Rekordzeit von knapp anderthalb Stunden (oder etwas mehr als eine dreiviertel Stunde nach Blasensprung)** das Licht der Welt und wurde sofort von uns in die Arme genommen. Es war eine schöne Geburt, ein intensives, entspanntes, fokusiertes, sanftes, beeindruckendes Erlebnis, das ich jedem nur so wünschen kann. Bisher hatten mich meine beiden recht zügigen Geburten stets etwas überrollt und überfordert, aber in diesem Kreis war das kein Problem für mich. Ich war komplett bei mir, hatte Menschen um mich, denen ich vollends vertrauen konnte, musste nicht eine Untersuchung des Muttermundes oder sonst irgendetwas wie CTG oder Kanüle oder gar Ultraschall unter Wehen über mich ergehen lassen – und tatsächlich kam ich niemals auf die Idee, dieses Kind auf dem Rücken liegend zu gebären, wie es sich bei den beiden vorherigen in der Klinik wegen der CTG-Überwachung eben so ‘ergab’.

Große Baba-Hand, kleines Baby

Große Baba-Hand, kleines Baby

Ich wurde dann aufs Sofa verfrachtet, wo ich weiter mit dem Osk.ar-Baby kuscheln konnte. Er war anfangs etwas erschrocken und schrie ein paar Minuten aus vollem Halse (solchen Krach hatte ich nicht mal gemacht), bevor er nach dem Abnabeln durch den Baba, dem ersten Anlegen und ein wenig Herumgucken selig einschlief. Die U1 ergab folgende Werte (für die Statistiker): 4.080 Gramm, 53 Zentimeter, 37 cm Kopfumfang. Alles dran, alles rosig, alles schick.

Ein Schnitt fürs Leben - die Schere, mit der der Baba die Nabelschnur durchschnitt, durften wir behalten. Soll eine gute Bastelschere abgeben. Wir werden ab die Baby-Daten eingravieren lassen und sie in die Erinnerungskiste legen.

Ein Schnitt fürs Leben – die Schere, mit der der Baba die Nabelschnur durchschnitt, durften wir behalten. Soll eine gute Bastelschere abgeben. Wir werden ab die Baby-Daten eingravieren lassen und sie in die Erinnerungskiste legen.

In den ersten Stunden seines Lebens hatte unser Baby ein wenig mit geschlucktem Fruchtwasser zu kämpfen, das er hör- und sichtbar herauswürgte, weshalb er fast 36 Stunden vor Erschöpfung nur schlief. Auch schon unter der Geburt hatte die HG-Hebamme ihm ein wenig Fruchtwasser aus Mund und Nase gesaugt, was ich gar nicht mitbekommen hatte.

Die beiden Hebammen räumten dann noch alles auf und halfen mir bei meinem ersten Toilettengang, der auch zu Hause Pflicht ist. Die Plazenta wurde direkt vor unseren Augen untersucht und uns einiges daran erklärt. Dieses Organ ist wirklich überhaupt nicht ekelhaft, sondern höchst spannend. Wir entschieden uns gegen die Variante “im Garten vergraben”. Der Baba bekam noch mitsamt Pioniergruß das U-Heft und das “Aktenblatt” fürs Standesamt überreicht (denn wie wir nun im lockeren Gespräch herausfanden, ist unsere HG-Hebamme in Karl-Marx-Stadt geboren und auf dem Kaßberg aufgewachsen) und nach zwei Stunden ließ man uns allein. WIr betrachteten noch ein wenig unser drittes Wunder, ehe der Baba loszog und die beiden “großen” Jungs bei den Nachbarn abholte. Und während Schnubb sehr neugierig auf das Baby war und ihm am Abend den Satz “Ich werde dich beschützen!” zuflüsterte, war der Tönni eher desinteressiert und widmete sich lieber seiner Legokiste. Als endlich Ruhe eingekehrt war, schaute Moni nochmals bei uns vorbei, ehe ich mich nach einer großen Portion Würzfleisch meinen fantastischen Nachwehen hingeben durfte und so leider nicht allzu viel Schlaf bekam. Dafür schlief unser Baby tief und fest und ich konnte mir das kleine Bündel die halbe Nacht lang anschauen.

* Wie wir darauf kamen, eine Hausgeburt zu machen, wie wir die einzige noch tätige Hausgeburtshebamme in unserem Landkreis fanden und wie so etwas überhaupt läuft – dazu später mal mehr.

** Ich werde ja gern um meine schnellen Geburten beneidet. Aber bei beiden vorausgegangenen hatte ich über Stunden teils sehr regelmäßige, aber in meinen Augen absolut erträgliche normale Wehen, die ich veratmen musste. Mein Schmerzempfinden würde ich als “ich kann schon einiges aushalten” einstufen. Rein geburtsmedizinisch zählen Wehen erst zur eigentlichen Geburt, wenn sie “muttermundwirksam” sind – und das waren sie im “öffnenden Sinne” bei den beiden Großen tatsächlich erst ab Blasensprung, da ich beide Male mit “0 Zentimeter” angefangen habe. Die Eröffnung verlief dann eben sehr, sehr schnell. Ab wann sich beim dritten Baby am Muttermund etwas tat, weiß ich nicht. Sicher waren die Dauerrückenschmerzen über Stunden am Geburtstag selbst auch Wehen. Die eigentliche Geburt beginnt für mich aber erst wieder ab Blasensprung, wo die Wehen dann schmerzhaft und regelmäßig waren und richtig ordentlich veratmet werden mussten. Wenn ich ab der ersten spürbaren Wehe rechne, dann ergeben sich eher folgende Zeitfenster: 18 Stunden (Schnubb), 13 Stunden (Tönni), 1,5 Stunden (Baby)